Januar 2022

Schaffung von Wohnraum für die Wasseramsel

 

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) ist im Bereich Landshut grundsätzlich ein sehr seltener gefiederter Geselle. Vor allem im Winter kommt sie aber immer wieder an geeigneten, schnell fließenden und strukturreichen Gewässerabschnitten an der Isar und deren Zuflüssen aus dem Hügelland vor. Die Wasseramsel besitzt in der Vogelwelt absolut herausragende Fähigkeiten. So ist sie die einzige heimische Singvogelart, die aktiv tauchen und sogar unter Wasser - am rauen Gewässergrund festgekrallt - laufen kann. Auch der im Jahreslauf recht frühe Brutbeginn ab Februar ist eher ungewöhnlich für unsere Singvögel.

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Die Wasseramsel (Foto: Helmut Naneder)

Um eine dauerhafte Ansiedlung und Brut für diese bemerkenswerte Art zu erleichtern, hat der LPV nun an seit mehreren Jahren bekannten Überwinterungsgebieten der Wasseramsel geeignete Nistkästen für diese erstaunliche Vogelart angebracht. Wichtig ist hierbei die spezielle Bauart des Nistkastens, welcher nur von unten offen und zugänglich ist. Außerdem muss die Nisthilfe in etwa einem Meter Höhe möglichst direkt über dem Wasser angebracht werden.

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Die Nistkästen werden direkt über dem Wasser angebracht. (Fotos: Helmut Naneder)


Wir danken den Grundstückseigentümern für die Ermöglichung der Anbringung der Nisthilfen und sehen einer baldigen Ansiedlung durchaus optimistisch entgegen.

Weitere Informationen zur Wasseramsel gibt es hier:
Wasseramsel - LBV - Gemeinsam Bayerns Natur schützen 


Dezember 2021

Schilfmahd im Winter - wichtig für den Erhalt von Lebensräumen

 

Wie jedes Jahr führt der Landschaftspflegeverband in den Wintermonaten auf landkreiseigenen Flächen eine maschinelle Schilfmahd durch. Der Schwerpunkt liegt hierbei im Isartal – genauer im Mettenbacher-Grießenbacher Moos.

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Damit  Wiesenbrüterlebensräume und artenreiche Wiesen offen bleiben, muss das Schilf durch Mahd zurückgedrängt werden.


Mit Hilfe eines umgebauten Pistenbullys mit Kettenantrieb ist es möglich, auch sumpfige und schwer zugängliche Bereiche möglichst schonend zu mähen. Würden bestehende Schilfbereiche nicht gemäht, wachsen diese auf Dauer mit Sträuchern und Bäumen zu und dieser wertvolle Lebensraum ginge verloren. Andererseits wird durch die Mahd zuverlässig verhindert, dass artenreiche Feucht- und Streuwiesen zunehmend vom Schilf eingenommen werden.

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Spezialeinsatz in schwierigem Gelände: der Pistenbully kann auch labiles Gelände befahren.

Die Mahd von Schilfbereichen ist nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz erst ab Oktober bis Ende Februar zulässig. Dies ist vor allem mit der Rücksicht auf Vogelbruten in den Schilfbeständen begründet.


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Typische Bewohner von Schilfbereichen sind der Drosselrohrsänger (links) und das Blaukehlchen. (Fotos: Helmut Naneder)

 

November 2021

Für Amphibien, Reptilien und Wildbienen - umfangreiche Maßnahmen am ehemaligen Standortübungsplatz Landshut

 

Im Bereich des Naturschutz- und FFH-Gebietes „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut mit Isarleite“ fanden kürzlich umfangreiche Maßnahmen zu Erhalt und Weiterentwicklung der hier ansässigen Artenvielfalt statt. Den Schwerpunkt bildete hierbei die Anlage von mehreren, flachen Amphibienlaichgewässern im Schutzgebiet. Da der Untergrund nicht wasserstauend ist, wurden Folien eingebaut und mit Flusskies aus dem Isartal behutsam bedeckt.

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Anlage von Amphibientümpeln (links)
Fertig gestellter Amphibienteich (rechts) - kommende Niederschläge werden den Tümpel füllen.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass diese neuen Gewässer bereits im Folgejahr von Pionierarten wie Gelbbauchunke und Laubfrosch angenommen werden.

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Gelbbauchunke

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Ein junger Laubfrosch hat die Metamorphose zum Landgänger fast abgeschlossen.

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Ein adulter Laubfrosch nimmt ein Sonnenbad.

Desweiteren wurden vielerorts – im gesamten Gebiet verteilt - mit dem Bagger Abbruchkanten und neue Rohbodenflächen geschaffen. Insbesondere für Wildbienenarten ist diese Maßnahme zielführend, da die heimischen Arten zu etwa zwei Dritteln in offenen Bodenbereichen nisten.

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Modellierung von Abbruchkanten und Rohbodenstrukturen für Wildbienen und Reptilien

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Erdbiene

Auch Reptilien wie die Zauneidechse profitieren von den in wärmebegünstigen Lagen angelegten Rohbodenflächen, da das sandig-kiesige Substrat ideale Bedingungen für die Eiablage im kommenden Frühjahr bietet.

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Zauneidechsen-Paar auf Rohbodenfläche

Alle Maßnahmen wurden unter Mitwirkung der Höheren und Unteren Naturschutzbehörden (Stadt und Landkreis Landshut) über staatliche Mittel des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz realisiert.


 

Oktober 2021

Streuwiesen - ein ebenso attraktiver wie artenreicher Lebensraum des Offenlandes

 

Ohne fachgerechte Pflege würden diese Flächen jedoch schnell verbuschen und die typischen Vogelarten wie Brachvogel, Feldlerche und Kiebitz, als auch seltene Pflanzenarten wie Lungenenzian, Teufelsabbiß und Sumpfständelwurz verschwinden.

Das folgende Bild zeigt eine Fläche im Eigentum des Landkreises Landshut im Moor- und Wiesenbrüterschutzgebiet "Mettenbacher-Grießenbacher Moos".

Insgesamt hat der Landkreis Landshut beeindruckende 180 Hektar im Gebiet - meist durch Förderung über den Bayerischen Naturschutzfonds - erworben.

Die jährliche Pflege durch den LPV wird zudem dankenswerterweise über die Regierung von Niederbayern mit Mitteln des Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert.


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Streuwiese im Herbst

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Wo immer möglich, setzen wir auf die insektenschonende Technik des modernen Messerbalkens. (Foto: Andreas Brückl)

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Das Mähgut wird durch den Schnitt nur sanft umgelegt, d. h. es entsteht kein insektenschädigender Sog durch schnelle Rotation.
(Foto:Andreas Brückl)

Brachvogel 03

Video: Messerbalken im Einsatz

 

September 2021

Vom Fischweiher zum Laubfroschbiotop

 

Derzeit finden ökologische Umgestaltungsmaßnahmen an einem ehemaligen Fischweiher (Ankaufsfläche des Landkreis Landshut für ökologische Zwecke) bei Tiefenbach statt. Die Bilder zeigen die Entfernung der standortfremden Fichtenstöcke, welche als Strukturanreicherung auf der Fläche wiederverwendet werden. Der Teich wird zudem durch die Modellierung von Flachwasserzonen aufgewertet und das Umfeld im Frühjahr 2022 mit einer artenreichen Blumenwiese angesät.


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Brachvogel 03

 

August 2021

Vom kargen Bracheacker zum Hort der Artenvielfalt

 

Auf einer knapp drei Hektar großen Fläche im Isartal entsteht derzeit in einer Gemeinschaftsaktion mit den beiden Flächeneigentümern, dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (Kreisgruppe Landshut) und der Gemeinde Niederaichbach, ein wichtiger Baustein für heimische Artenvielfalt. Die bereits vor einigen Jahren von den beiden Eigentümern erworbene ehemalige Ackerfläche bietet durch kiesigen und dadurch ertragsschwachen Boden ideale Voraussetzungen für die Schaffung von besonders wertvollen Trockenlebensräumen.


Brachvogel 01

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Konkret werden hier entsprechend der natürlichen Boden- und Feuchtevoraussetzungen Halbtrockenrasen-, Magerrasen-, Brennen- aber auch wechselfeuchte Streuwiesenbereiche entstehen. Erreicht wird dies durch die gleichmäßige Aufbringung von naturschutzfachlich äußerst hochwertigen und samenreichen Mähgut von ausgewählten Naturschutzflächen. Im Schutze der dünnen Mähgutschicht entwickeln sich die Keimlinge der verschiedenen Pflanzenarten und es entsteht auf naturnahe Weise eine autochthone Wiese, welche bereits im Folgejahr erste Blühaspekte aufweisen wird.


Brachvogel 03

 

Juli 2021

Amphibienschutz durch Ziegen

 

In ehemaligen Kiesgruben an der südexponierten Isarhangleite existieren wertvolle Lebensräume für wärmeliebende Arten wie Wildbienen und Reptilien. In der Kiesgrube am Kaltellerberg wurden von der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landschaftspflegeverband Landshut vor Jahren zudem Tümpel für Amphibien, wie Kreuzkröte und Laubfrosch, angelegt.

Da die Kiesgrube in kurzer Zeit zuwachsen und verbuschen würde, ginge dieser seltene Lebensraum bald verloren. Um ihn freizuhalten, übernehmen sieben Pfauenziegen die Landschaftspflege, heuer bereits im dritten Jahr. Besonders in diesem nassen Sommer finden „die sieben Geißlein“ hier ein saftiges Grün vor und lassen sich dieses gerne schmecken.


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Ankunft der 7 Ziegen am Kaltellerberg

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Die Ziegen erkunden ihre neue Umgebung

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Schutzwagen für die 7 Ziegen 


Juni 2021

Aufzucht von Amphibienlarven

 

Auch in diesem Jahr setzt der Landschaftspflegeverband ein Amphibienprojekt um. Neben der Anlage und der Ertüchtigung von Amphibienlaichgewässern steht bei uns auch die Nachzucht, bzw. die kontrollierte Aufzucht im Vordergrund.

Verschiedene, zum Teil stark gefährdete Amphibienarten wie Gelbbauchunke, Kreuz- und Wechselkröte sowie Laubfrosch werden mit Genehmigung der Regierung von Niederbayern als Laich oder Larven aus den Gewässern entnommen und unter kontrollierten Bedingungen bis zur Hüpferling-Größe aufgezogen.


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Larven der Kreuzkröte nach der Entnahme aus dem Spendergewässer

Die fertig entwickelten Jungtiere werden dann zum Teil zur Bestandsstützung ins Spendergewässer zurückgesetzt und zum Teil in neu geschaffene, besonders geeignete Biotope zur Neubegründung von Populationen verbracht. Auch Feuersalamander-Larven wurden aus Gewässern mit hervorragendem Bestand entnommen und in eigens gestaltete Biotope inmitten strukturreicher und ausreichend großer Hangwälder, die als Landlebensräume genutzt werden können, umgesetzt.

 

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links: Aufzuchtboxen mit Larven verschiedener Amphibienarten
rechts: Strukturreiche Aufzuchtbox

Bereits in den vergangenen Jahren konnten so hunderte Tiere gefährdeter Amphibienarten die besonders gefährliche Zeit der Metamorphose, in der ein Großteil der Tiere Räubern wie Libellenlarven und Fischen zum Opfer fallen, unbeschadet überstehen und neue und dauerhaft gesicherte Lebensräume erreichen.


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Kreuzkrötenhüpferlinge kurz vor dem Freilassen in ein geeignetes Biotop

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In dieser Größe werden juvenile Laubfrösche in die Freiheit entlassen.

Bei diesem Projekt arbeiten wir eng mit der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Niederbayern, den Unteren Naturschutzbehörden von Stadt und Landkreis Landshut, sowie unseren Gebietsbetreuern im Isartal und am Standortübungsplatz zusammen.

 

Mai 2021

Durch Drohneneinsatz Wiesenbrüter und Rehkitze schützen

 

Das Frühjahr ist in der Vogelwelt für die meisten Arten die wichtigste Jahreszeit. Hier gilt es, möglichst viel Nachwuchs durchzubringen, um die eigene Art zu erhalten. Der Große Brachvogel brütet oftmals in Wiesen und die Küken schlüpfen normalerweise Mitte Mai. Diese sind Nestflüchter, sie verlassen nach dem Schlupf das Nest, werden von den Eltern nicht gefüttert, sondern suchen von Beginn an eigenständig Nahrung.

Anfangs ist es für die kleinen Küken noch schwierig, sich im hohen Gras fortzubewegen und nach Nahrung zu suchen. Zudem wird bei längerer Regenperiode ihr flauschiges Dunenkleid durch den ständigen Kontakt mit den nassen Grashalmen nicht mehr trocken. Wenn zur Nässe dann noch die Kälte kommt, besteht sogar die Gefahr, dass die Küken erfrieren.

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Brachvogel-Gelege mit 4 Eiern in einer Wiese

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Brachvogel-Küken im flauschigen Dunenkleid

Daher versucht der Landschaftspflegeverband in der Nähe von Brachvogel-Brutplätzen sogenannte Frühmahdstreifen anzulegen. In enger Zusammenarbeit mit Landwirten und örtlichen Jägern werden in einigen Wiesen ca. sechs Meter breite Streifen mit naturschonender Balkenmähtechnik gemäht. Diese schont im Vergleich zu anderen Mähsystemen insbesondere Insekten und damit einen Teil der Nahrung des Brachvogels. Nach der Mahd suchen die Küken gerne in der niedrigen Vegetation nach Nahrung, verstecken sich aber bei Gefahr sofort im benachbarten höheren Gras.

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Anlegen von Frühmahdstreifen

Da die Mahd für brütende Brachvögel und Wildtiere, wie Rehkitz oder Feldhase, eine Gefahr darstellt, muss ausgeschlossen werden, dass sich diese zur Mahdzeit in dem zu mähenden Wiesenstreifen befinden. Um dies zu gewährleisten, arbeitet der Landschaftspflegeverband seit ein paar Jahren mit einem Drohnenprojekt aus Obersüßbach zusammen.

Deren Drohne, ausgestattet mit einer Wärmebildkamera, fliegt zeitnah vor der Mahd die zu mähende Fläche ab. Hierbei ist auf einen guten „Wärmekontrast“ zu achten, d.h. der Boden muss noch relativ kühl sein, damit die Wärmebildkamera der Drohne die wärmeren Körper der Wildtiere erkennen kann. Wird eine „Wärmequelle“ mit Konturen eines Wildtieres erkannt, wird die Stelle anhand von Koordinaten aufgesucht und das Wildtier in Sicherheit gebracht.

Im Rahmen des Drohnenprojekts Obersüßbach konnten mit dieser Vorgehensweise im vergangenen Jahr 70 Rehkitze vor dem Mähtod gerettet werden.

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Drohne mit Wärmebildkamera

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Von Wärmebildkamera erfasster Feldhase (gelber Kreis)

 

April 2021

Wiesenbrüterschutzmaßnahmen in der Praxis – gemeinsam zum Erfolg

 

Die wiesenbrütenden Vogelarten, wie beispielsweise Kiebitz und Brachvogel, sind in ihren verbleibenden Brutgebieten vielerlei Gefährdungen ausgesetzt. Neben den Verlusten bei der Bewirtschaftung und Feldbestellung spielen auch Prädatoren eine ernstzunehmende Rolle.

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Praktisch unsichtbar - ein brütender Brachvogel duckt sich ins Nest

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Natürliches Ablenkungsverhalten: Der Große Brachvogel simuliert eine Flügelverletzung, um Feinde vom Nest zu locken.

Um einen möglichst ganzheitlichen Ansatz zu verwirklichen, setzt der LPV auf ein breites Spektrum gezielter Schutzmaßnahmen zum Erhalt möglichst vieler Gelege dieser hochgradig gefährdeten Arten. Hier im Schwerpunktgebiet „Mettenbacher-Grießenbacher Moos“ findet eine beispielhafte Zusammenarbeit mit den Akteuren statt. Im Rahmen der jährlichen Bestandsaufnahme gefundene Nester werden den Landwirten unverzüglich gemeldet. Die Landwirte sparen die unauffällig markierten Nester dann bei der Bewirtschaftung aus.

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Bestens getarnt - leider verhängnisvoll bei der Bewirtschaftung

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Rücksichtnahme: ein von der Bewirtschaftung ausgespartes Brachvogelgelege im Maisacker

Zudem werden die Gelege zum Schutz gegen den Fuchs mit einem Elektrozaun gezäunt. In besonders wichtigen Bereichen werden ganze Brutareale großflächig gezäunt – eine Maßnahme die sich seit mehreren Jahren besonders gut bewährt hat.

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Ein vom Landwirt bei der Bewirtschaftung ausgespartes Gelege mit Einzelnestschutz gegen den Fuchs

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Durch großflächige Zäunungen (hier 20 ha) werden gleich mehrere Gelege geschützt.


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Der Lohn der gemeinsamen Anstrengungen: ein Brachvogelgelege beim Schlupf. Da erst mit dem Erreichen des Vollgeleges (4 Eier) mit dem Brüten begonnen wird, findet der Schlupf in einem engen Zeitraum statt.


Näheres zu den Schutzmaßnahmen, Ausgleichszahlungen und der Möglichkeit der Zusammenarbeit im Wiesenbrüterschutz erfahren Sie direkt bei unserem Gebietsbetreuer für das Isartal, Herrn Manfred Röslmair unter 0871/408-5506.